Ruth Hommelsheim
Bewahrungen
Eröffnung: 13. April 2007, 19 Uhr
14. April - 16. Mai 2007
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Wir freuen uns, Ihnen die erste Einzelausstellung bei Loris – Galerie für zeitgenössische Kunst zu präsentieren. Vom 14. April bis zum 16. Mai 2007 zeigen wir die Installation „Bewahrungen“ von Ruth Hommelsheim.
Die in Berlin lebende Künstlerin Ruth Hommelsheim hat sich 2006 dem Thema Bewahren gestellt. Sie untersucht in sechs Fotoarbeiten und drei vielteiligen Tableaus einerseits den ideellen Wert von hinterlassenen Sammlungen und andererseits eine fremde Ordnungswelt.
Konfrontiert mit dem Nachlass eines sammelfreudigen Familienangehörigen entschließt sich die Künstlerin die Sammlungskomplexe zu fotografieren. Sie begegnet den Objekten - denen durch das Sammeln schon ein persönlicher Wert zugesprochen wurde - mit einer weiteren Ebene des Bewahrens, sie enthebt sie durch die Fotografie der persönlichen Welt. Hommelsheim vermisst Zeit und dokumentiert die eigentümliche Dichte der Ordnung. Mit der Distanz, die Ihr die Kamera gewährt, beleuchtet – man ist versucht zu sagen belichtet – sie einen wesentlichen Lebens-Ausschnitt des Sammlers.
Die analogen Fotoarbeiten bestechen durch den von der Künstlerin gewählten Ausschnitt. Ihr Focus ist jeweils direkt, frontal auf die akribisch gesammelten Objekte gerichtet. Ihre Arbeiten sind reduziert auf die kargste beschreibende Einzelheit. Sie entdeckt die Materialien und gesammelten Gegenstände, erforscht die gelebte Zeit, das verlangt nach Fokussierung und Konzentration des Sehens. Man erkennt bei genauer Betrachtung die Beschriftung beispielsweise der Kartonmappen, die Schriftstücke verwahren oder der Videokassetten, genauso kann man teilweise die Schallplattenrücken entziffern. Essentiell ist, dass sie in jedem Foto sehr subtil zeigt, dass es sich um eine private Sammlung handelt. Wir erkennen den Wohnzimmerschrank genauso wie das Kellerregal, die dem Sammler dienten, um seiner Leidenschaft für das Serielle zu frönen. Man kann die Installationen als Spurensicherung und Erinnerungshilfe psychischer Prozesse verschiedener Bewusstseinsebenen und verschiedener Bezugssysteme lesen.
Die Installationen sind ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung. Bei der Sichtung des Nachlasses stieß Ruth Hommelsheim auf hunderte von Dias, aufgenommen in den 70er und 80er Jahren im Stuttgarter Zoo. Am Anfang ihres Arbeitsprozesses stand das private Fundstück, stets eine ganz subjektive Setzung, die dann Anlass wurde zum ausgiebigen Philosophieren mit anderen Mitteln: Resultat sind zwei komplexe Tableaus, bestehend aus Fotoabzügen von Fischen und Orchideen. Serielle Ensembles, die sich von Präsentation zu Präsentation weiter entwickeln können oder einfach verändern. Mit ihnen kommentiert die Künstlerin die Gleichzeitigkeit des Verborgenen und des Sichtbaren.
Aufheben, sammeln, archivieren ist der Versuch des Menschen sich die Welt begreifbar zu machen. Die Wandinstalltion aus Musikkassetten, bespielt mit Radiomitschnitten klassischer Musik, dokumentiert dies und lässt sich als eine Metapher lesen. Das unabhängige Leben dieser Gegenstände gehört ebenso sehr zu Ruth Hommelsheims Kunst wie ihr eigener Beitrag zum nächsten Stadium ihrer Existenz.
Hommelsheim vermisst mit der Installation „Bewahrungen“ den Raum auf zweifachem Wege, sie beschreibt Zeit und gestaltet ein Ordnungssystem, das verschiedene Lesarten zulässt. Die Magie der Bilder ist konnotativ-mehrdeutig und das Spiel mit Realität und Wirklichkeit nicht ohne leisen Humor geführt.
Bewahrung 1 bis 3, 2006, Digitale C-Prints, gerahmt, 120x85 cm
Bewahrung 4 bis 6, 2006, Digitale C-Prints, gerahmt, 120x85 cm
Ausstellungsansicht Bewahrung 1-5
Bewahrung 9 (Orchideen), 2007, Tableau aus 100 C-Prints, 198x136 cm
Bewahrung 7 (Fische), 2006, Tableau aus 240 C-Prints, 202x270 cm
Bewahrung 8 (Musikkassetten), 2007, Wandinstallation aus Musikkassetten, 147x216 cm